"Sportlich wäre es perfekt, wenn alle Mannschaften die Liga halten könnten"

Im Interview mit unserem Sportvorstand Ulrich Hamann

Nagolds Fußball-Chef Ulrich Hamann (Mitte) ist nun seit knapp zweieinhalb Jahren im Amt.

Herr Hamann, Sie haben das Amt des Sportvorstandes beim VfL vor gut zwei Jahren übernommen. Wie fällt ihr bisheriges Fazit aus?

"Insgesamt haben wir in der Zeit eine sehr gute Entwicklung genommen. Der Aufstieg in die Verbandsliga von unserer Ersten und in die Oberliga von unserer U19 waren sportlich natürlich sensationell. Gleichzeitig haben wir viele unserer Talente im Aktivenbereich integriert. Und dann spielen in unserem BZL Team wohl so viele echte Nagolder wie schon lange nicht mehr. Persönlich ist das Fazit:  Der Job ist deutlich zeitintensiver als befürchtet und kostet sehr viel Energie."

Als Sie gemeinsam mit Udo Jungebloed das Amt antraten sah es gerade finanziell für den Nagolder Fußball nicht gut aus. Die finanzielle Lage hat sich in den letzten gut zwei Jahren jedoch deutlich verbessert. Wie haben Sie das geschafft?

"Deutlich verbessert stimmt nur teilweise. Als wir ins Amt kamen, waren wir finanziell am Boden, weil sich der langjährige und sehr verdiente Sponsor Reinhold Fleckenstein zurück gezogen hatte. Gegenüber diesem Zeitpunkt stehen wir heute nun deutlich besser da. Gegenüber der Zeit mit Angels aber sind wir nicht unbedingt besser gestellt. Was wir gemacht haben? Hart gearbeitet, Glück gehabt, viele  Helfer an unserer Seite: Udo Jungebloed und ich haben schon nach zwei Monaten mit der Firma Digel einen Hauptsponosr gefunden. Dann haben wir ungefähr 20 neue Banden und etliche andere Sponsoren akquiriert. Aber es haben noch viele andere mitgeholfen: Bernhard Schickling, Gerhard Rotfuß und Thomas Baitinger haben noch mehr Inserenten für das Stadionheft gefunden. Die bisherigen Groß-Sponosren Wackehnhut und Sport-1a Ihr Engagement ausgebaut. Uli Häfele und Kathrin Jungebloed haben die Sportwerbe-GmbH so aufgestellt, dass sie mehr von den Einnahmen aus dem Sponsoring weiter geben kann. Aber: Wir sind finanziell immer noch schwach auf der Brust und kämpfen hart um jeden Euro."

Besonders erfolgreich war die letzte Saison mit den Aufstiegen der Herren in die Verbandsliga und der A-Junioren in die Oberliga. Was war für Sie ausschlaggebend für diesen großartigen Erfolg bei beiden Teams?

"Bei den A-Junioren wussten wir schon lange, dass unser goldener 99er Jahrgang das Zeug dazu hat. Vor zwei Jahren habe ich die Jungs trainiert und wir sind knapp an Zimmern gescheitert. Damals standen wir im WFV Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart und haben nur knapp verloren. Dieses Mal hatten wir noch eine stärkere Mannschaft und mit Max Bergemann-Gorski den passenden (ich sage mal nicht besseren - leichtes Grinsen bei Uli Hamann) Trainer. Bei den Aktiven hatten wir auch im Jahr vorher schon eine richtig gute Abwehr, vorne hat es aber gehapert. Wenn man dann einen Pascal Reinhardt und einen Daniel Schachtschneider holt, ist es nicht völlig überraschend, dass man aufsteigt. Armin Redzepagic als Trainer verpflichtet zu haben, war sicherlich auch eine gute Entscheidung. Auch er hatte einen großen Anteil daran, dass die Mannschaft das geschafft hat. Er hat zum einen immer die Spannung hoch gehalten und zum anderen immer die Ruhe bewahrt, wenn es mal nicht so lief."

Trotz des Aufstiegs wurde der Kader für die Verbandsliga nur punktuell verstärkt – vielmehr schafften gleich zehn Spieler aus der eigenen Jugend den Sprung zu den Aktiven. Sehen Sie den „Nagolder Weg“ langfristig als wichtigste Säule für den Erfolg des Nagolder Fußballs?

"Anders können wir nicht mithalten, weil uns die finanziellen Mittel fehlen, um gute und damit auch teure Spieler nach Nagold zu holen. Aber selbst wenn wir die Mittel hätten; ich will genau diesen "Nagolder Weg" gehen. Entweder so oder gar nicht. Es gibt nichts Schöneres, als wenn ein Spieler aus der eigenen Jugend bei den Aktiven ankommt und eine gute Rolle spielt."

Mit 20 Punkten überwintert man in der Verbandsliga. Zufrieden mit der bisherigen Bilanz?

"Absolut. Wir müssen noch zulegen, aber das ist als Aufsteiger normal. Natürlich hatte man bei vielen Spielen das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Aber das ist normal in der Liga. Alle Mannschaften sind eigentlich gleich gut. Punkte holt man nicht, weil man besser ist. Punkte verliert man nicht, weil man schlechter ist. Der Wille und viele Kleinigkeiten entscheiden die Spiele."

In keinem der bisherigen Spiele war man die schlechtere Mannschaft und könnte locker ein paar mehr Punkte auf dem Konto haben. Was muss die Mannschaft in der Rückrunde besser machen und glauben Sie an den Klassenerhalt?

"Wir müssen mehr Zielstrebigkeit im letzten Drittel haben. Ich denke, dass die jungen Spieler wie Chris Wolfer, Elias Bürkle, Kujtim Berisha und Heinrich Vegelin einen Schritt in die Richtung machen werden. Und ich bin überzeugt, dass Tim Kübel mit seiner Mentalität dabei eine wichtige Rolle spielen wird."

Der Vertrag mit Trainer Armin Redzepagic wurde um ein weiteres Jahr bis Juni 2020 verlängert. Wie liefen die Vertragsgespräche?

"Einfach. Schnell. Gut. Wir haben uns auch Zeit genommen und unsere gemeinsamen sportlichen Ziele beleuchtet. Dabei haben wir eine große Übereinstimmung festgestellt. Taktisch variabel, dominant Fußball spielen und weiter junge Talente einbauen."

Auch die U19 kam in der Oberliga nach Anfangsschwierigkeiten immer besser ins Rollen. Worin sehen Sie die Gründe für diesen Aufschwung?

"Das Trainerteam hat tolle Arbeit geleistet, an seiner Philosophie festgehalten, an die Spieler geglaubt und ihnen viel beigebracht. Und die Jungs brennen für den Erfolg. Sie geben jedes Spiel alles. Das begeistert alle Zuschauer."

Das Sorgenkind ist weiterhin die U23. Trotz eines großen Kaders, der im Sommer wieder mit vielen talentierten Spielern aus der eigenen Jugend verstärkt wurde, kämpft man erneut um den Klassenerhalt. Wo sehen Sie das Hauptproblem? Und wie stehen die Chancen auf den Klassenverbleib?

Wir haben eine junge Mannschaft. Das ist aber lediglich eine Erklärung, kein Problem. Die Bezirksliga Böblingen/Calw ist extrem stark, da werden die Jungen immer mal wieder abgekocht. Aber sie lernen. Und deshalb wird die Mannschaft sich in der Rückrunde steigern. Markus Kalmbach ist ein richtig guter Trainer. Deshalb bleiben wir drin. Für mich ist die Mannschaft keine Sorgenkind, sondern das Lieblingskind."

Was sind die langfristigen Ziele der Nagolder Fußballabteilung?

"Wir müssen finanziell unsere Basis verbreitern. Sportlich wäre es perfekt, wenn alle Mannschaften ihre Ligen längerfristig halten könnten. Eine U19 in der Oberliga ist für uns überragend.  Jedes Jahr in der Liga ist eine Sensation. Alle anderen Mannschaften sollten nicht absteigen und dürfen aufsteigen." (Uli Hamann lacht).

Vielen Dank für das Interview, Uli!

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