Im Interview mit Armin Redzepagic

"Alle Spieler brennen auf Einsätze"

Armin, Du hast mit Deinem Team 10 Siege in den ersten elf Spielen gefeiert – ein perfekter Saisonstart. Worin siehst Du die Gründe für diesetolle Serie?

"Perfekt wären 11 Siege gewesen! Aber Spaß beiseite, wir haben sogar einen besseren Start hingelegt als noch im Rekordjahr vor 3 Jahren. Wir waren nach anfänglichen knappen Ergebnissen zuletzt wirklich gut drauf und es ist sehr schade, dass wir erneut unterbrechen mussten."

Gerade mit Max Frölich und Nils Schuon hat der Kader nochmals deutlich an Qualität hinzugewonnen. Welche wichtige Rolle spielen die beiden auf und neben dem Platz?

"Beide haben enorm gut eingeschlagen, nicht nur spielerisch, denn das wussten wir, sondern auch in der Kabine, im Training und auch im Umfeld. Dazu zähle ich aber auch Steffen Honigmann und Tilo Renz. Alle 4 machen ihre Sache richtig gut. Nils ist ein absolutes Vorbild in Sachen Einstellung, zudem lässt er vieles einfach aussehen. Dabei ist genau das das schwierige - konstant gut und konstant einfach zu spielen, darin ist er ein Meister seines Fachs. Max sorgt mit seiner angenehmen Art für eine gute Stimmung in der Kabine, weiss aber ganz genau wann er laut werden oder zupacken muss. Er und Valentin Asch ergänzen sich sehr gut. Vor Allem nach den ersten Spielen greifen die Automatismen immer besser, was man auch an der Gegentorstatistik ablesen kann.

Steffen hat ebenfalls gut eingeschlagen - er bringt mit seiner Schnelligkeit eine neue Komponente in unser Spiel. Zudem scheut er sich auch nicht, in die Zweikämpfe zu gehen. Er ist lernwillig und hat deshalb schnell Anschluss gefunden und auch schon wichtige Tore erzielt oder vorbereitet. Erwähnen möchte ich noch Tilo Renz, der zurück nach Hause gekommen ist. Auch er begeistert mich von Woche zu Woche. Aktuell hilft er zwar noch in der Zweiten aus, aber wenn die Pause nicht gewesen wäre, wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er wieder im Kader der Ersten zu finden wäre. Er ist auf bestem Wege, seine alte Stärke aus Verbandsligazeiten zu finden."

Auf Erfolgskurs: Armin Redzepagic und der VfL Nagold!


Aber auch sonst hast Du so einen großen und ausgeglichenen Kader wie nie zuvor. Welche Vorteile
bringt Dir das als Trainer?

"Der große Kader hat natürlich mehr Vor- wie Nachteile. Vorteile sind leicht aufzuzählen, u.a. eine bessere Trainingsgestaltung, ein höherer Konkurrenzkampf, eine bessere Ausbalancierung wenn jemand ausfällt. All diese Dinge waren in den letzten 3 Jahren kein Thema bei uns, und deshalb bin ich froh über diesen Luxus. Der einzige Nachteil ist eigentlich nur, dass man an ein paar Spieltagen für manche Spieler keine Rose zu vergeben hat, aber wenn man das gut moderiert, ehrlich zu seinen Spielern ist und versucht zu rotieren so gut es geht, klappt das auch. Bisher hat jeder mitgezogen, anders geht es nicht."

Könnten der große Kader und die gute Mischung aus jungen und erfahren Spielern am Ende ein Plus
in Sache Meisterschaft sein?

"Also wenn man davon ausgeht, dass nach dem Restart alle Spiele gespielt werden sollen, dann glaube ich schon, dass der große Kader seine Vorteile hat, wenn man zum Beispiel jede Woche 2 Spiele haben wird. Geht es um die Meisterschaftsfrage, dann bin ich froh erfahrene Spieler in den Reihen zu haben, die nicht durchdrehen, wenn man mal ein Spiel hergibt, oder in der 85. Min hintenliegt. Wichtig sind aber auch die jungen Spieler, die tatsächlich brennen ihre erste Meisterschaft zu feiern. Die brauchst du natürlich auch."

Mit Pascal Reinhardt musste jedoch ein wichtiger Spieler seine Fußballschuhe verletzungsbedingt leider an den Nagel hängen. Wie hat die Mannschaft das aufgenommen und hat das vielleicht neue Energie freigesetzt innerhalb der Mannschaft, da man jetzt für Pascal spielen möchte?

"Zuerst saß der Schock bei allen natürlich sehr tief und jeder hätte ihn gerne nochmal auf dem Platz zaubern gesehen. Allen voran ich selbst. Wir sind froh, dass er bei uns ist und uns hoffentlich lange erhalten bleibt. Er macht aktuell seine B-Lizenz und ich bin mir sicher dass Pascal ein sehr guter Trainer sein wird. Ihn braucht jedoch niemand anzufragen, wir brauchen ihn selbst (lacht)."

Mit Joel Mogler, Tobias Essig und Leon Schaber durften schon drei Youngster Landesliga-Luft schnuppern! Wie zufrieden bist Du mit der Leistung der Jungs?

"Wenn man überlegt wer die Konkurrenten dieser Jungs sind, dann muss ich schon sagen: "alle Achtung wie die Jungs sich bisher geschlagen haben" Joel hat schon mehrmals bewiesen, dass er schon bereit ist. Er hat das in einigen Spielen schon unter Beweis gestellt, trotzdem arbeitet er perfekt im Duo mit Bubacarr Sanyang und lernt fleissig von ihm. Auch Leon und Tobi kann ich bedenkenlos immer wieder ins Spiel werfen. Tobias Essig hat eine super Entwicklung genommen und wird in Nagold aufgrund seiner Art Fussball zu spielen eine wichtige Rolle einnehmen, wenn er sich weiter so verbessert. Leon hatte Verletzungspech, aber auch er kommt wieder ran und hat zuletzt bei seinen Einsätzen sehr gute Leistungen gezeigt!"

Nachdem man in den ersten Spielen leichte Anlaufschwierigkeiten hatte, scheint der Knoten nach dem Sieg in Maichingen endgültig geplatzt zu sein. Was besonders positiv zu bewerten ist: Trotz der Rotation ist kein Leistungsabfall festzustellen. Woran liegt das?

"Wir haben eine neue Truppe beisammen, die zuerst mal unsere Spielphilosophie verstehen und Schritt für Schritt adaptieren mussten. Dass es da zu Beginn noch etwas stottert war zu erwarten, trotzdem haben wir die volle Punktzahl geholt. Wir haben uns Spiel zu Spiel gesteigert und das obwohl wir ständig durchrotiert haben. Alle brennen auf Einsätze, aber alle gönnen es auch jedem, sodass auch die, die nicht spielen, oder von draussen kommen, die Startelf pushen und motivieren. Auch im Training geht es richtig gut zur Sache, da kann man sich kaum ein schlechtes Training erlauben, auch dieser Effekt ist im Spiel zu spüren."


Nun ist der Spielbetrieb aufgrund von Corona zum zweiten Mal unterbrochen. Wie schätzt Du die
Situation in Sachen Fortsetzung ein?

"Ich bin da zweigeteilt- auf der einen Seite darf der Fussball nicht die Sonderrolle bekommen und anders behandelt werden, aber auf der anderen Seite geht es um Sport im Freien. Für die Gesundheit ist neben Ernährung auch der Sport verantwortlich. Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Dezember Fussball spielen dürfen, aber falls es Lockerungen im Freien geben sollte wäre ich natürlich mehr als happy, wenn wir das ein oder andere Spiel noch im Dezember absolvieren könnten, einfach um den Spielplan im neuen Jahr zu entzerren. Ab der Landesliga sind englische Wochen mit Auswärtsspielen eine richtige Tortur, aufgrund der Entfernungen. Aber da wahrscheinlich alle den Amateurfussball vermissen, denke ich, dass wir auch das meistern würden.


Und zum Schluss: Auch wenn die Saison noch lang ist, scheint es wohl so, als würden drei, vier Teamsdie Meisterschaft unter sich ausmachen. Wo siehst du den VfL Nagold am Saisonende?

"Das hängt davon ab, wie wir aus der Corona-Pause rauskommen, aber wenn es so läuft wie bisher, wollen wir natürlich ganz oben stehen!"

Vielen Dank für das Interview, Armin!

 

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