3:3 im Derby: VfL Nagold bringt 3:0-Führung gegen Tübingen nicht über die Zeit

+++ Die Nachlese zum 20. Spieltag +++

Ein spannendes Derby zwischen dem VfL und der TSG Tübingen: Am Ende stand es 3:3 Foto: Veitinger

VfL Nagold - TSG Tübingen 3:3 (3:0)

Tore: 1:0 Tim Kübel (20.) 2:0 Luka Kravoscanec (27.) 3:0 Luka Silic (43./FE) 1:3 Marvin Methner (69.) 2:3 Kay Rosmer (87.) 3:3 Tobias Dierberger (89.)

Von Dominik Veitinger

Als der Unparteiische das Derby zwischen dem VfL Nagold und der TSG Tübingen beendete war den Nagolder Spielern und deren Fans die Fassungslosigkeit förmlich ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, denn das Team von Trainer Armin Redzepagic brachte eine sicher geglaubte Drei-Tore-Führung zur Pause nicht über die Zeit und hatte am Ende sogar Glück, wenigstens einen Punkt auf der Habenseite verbuchen zu können.

Mücke und Pedro gegen Tübingen zurück in der Startelf

„Ich erwarte eine Reaktion von der Mannschaft!“, lautete der klare Appell von Redzepagic an sein Team nach der 1:3-Pleite beim 1.FC Heiningen am vergangenen Samstag. Zwei Veränderungen gab es in der Nagolder Startelf gegen die Unistädter: Für Nicolai Brugger und den an der Achillessehne verletzten Elias Bürkle kehrten Dominik Pedro und Fabian Mücke zurück ins Team, die auf den Außenverteidigerpositionen agierten. Lysander Skoda agierte meist als hängende Spitze, in vorderster Front sollte Tim Kübel für Torgefahr sorgen.

Garin für TSG knapp vorbei, Skoda scheitert mit Kopfball

Vor einer stattlichen Kulisse von 300 Zuschauern begnügten sich beide Teams nicht lange mit Mittelfeldgeplänkel und sorgten von Beginn an für ein spannendes und rasantes Derby. Die erste Chance der Partie hatten die in rot spielenden Gäste bereits in der 2. Minute: Nach einem langen Ball verschätzte sich Luka Silic, Jushtine Garin beförderte den Ball mit seinem Schuss ganz knapp neben den rechten Pfosten – Glück für die Gastgeber! Quasi im Gegenzug hatten die Nagolder dann ihre erste Großchance: Marco Quiskamp spielte einen tollen Diagonalball auf Luka Kravoscanec, der von links in die Mitte flankte, dort scheiterte Lysander Skoda mit seinem Kopfball am toll reagierenden TSG-Keeper Stefan Baumann (3.). Und weiter gings: In der 6. Minute flankte David Fridrich den Ball von rechts in die Mitte, doch Nagolds Abwehr hatte Glück, das Justhine Garin bei seinem Kopfballversuch nicht genug Druck hinter das Spielgerät brachte.

Doppelschlag Nagold: Kübel und Kravoscanec stellen auf 2:0

Nach knapp einer Viertelstunde versuchte es Lysander Skoda für die Nagolder mit einem Heber, doch der Ball flog weit links neben das Gehäuse. Nagold bekam nun mehr Spielkontrolle und ließ Ball und Gegner gut laufen. Dieser Aufwand wurde in der 17. Minute mit dem Führungstreffer belohnt! Fabian Mücke setzte sich über rechts toll durch, beim dritten Versuch gelang ihm eine perfekte Hereingabe – Tim Kübel musste nur noch den Fuß hinhalten und netzte ein – tolle Vorlage des Außenverteidigers. Und auch nach der Führung suchte die Redzepagic-Elf ihr Heil in der Offensive und das in der 27. Minute mit großem Erfolg: Matthias Remann legte am linken Strafraumeck auf Tim Kübel ab, der dem heranrauschenden Luka Kravoscanec den Vortritt ließ. „Kravo“ sagte „Danke“ und versenkte das Leder mit einem satten Flachschuss im linken, unteren Toreck – 2:0! Diese Führung war inzwischen verdient, den der Aufsteiger glänzte nun mit Ballsicherheit und teilweise gutem Kombinationsspiel nach vorne.

Silic erst im Pech, dann erhöht er per Elfmeter auf 3:0

Drei Minuten nach Kravoscanecs Treffer probierte es Adil Iggoute aus der Distanz, doch Nagolds Keeper Matthias Müller hielt das Leder Sicher fest (31.). Zehn Minuten vor der Pause landete eine Flanke von Fabian Mücke bei Kravoscanec, dessen Hereingabe Matthias Rebmann übers Tor. Eine Minute später setzte Adil Igoutte einen Freistoß aus gut 20 Metern über den Kasten. Gut fünf Minuten vor dem Pausenpfiff hatten die Nagolder Fans den Torschrei schon auf den Lippen, doch der Kopfball von Luka Silic nach Flanke von Tim Kübel wurde von einem Tübinger noch von der Linie gekratzt (39.). Mit der letzten Aktion im ersten Durchgang stellten die Nagolder den 3:0-Pausenstand her: Luka Kravoscanc spielte von der linken Seite einen tollen Oass auf Tim Kübel, welcher auf seinem Weg zum Tor von Gäste-Keeper Baumann von den Beinen geholt wurde- Elfmeter! Diesen verwandelte Luka Silic zum 3:0- mit diesem Spielstand ging es dann auch in die Kabinen.

Silic rettet zur Ecke, Müller pariert klasse gegen Dierberger

Die Stimmung unter den Nagolder Fans in der Pause war bestens, man war sich sicher, dass einem Heimsieg und dem wichtigen „Dreier“ nichts mehr im Wege stehen würde. Doch es kam leider anders: Mit Wiederanpfiff waren Sicherheit und Spielfreude beim VfL weg und wichen Unsicherheit und Angst. Die Tübinger kamen wie ausgewechselt aus der Kabine, einen Freisoß des starken Adil Iggoute aus halbrechter Position klärte Luka Silic gerade noch so übers Tor (50.); den Schuss infolge des Eckballs hielt Matthias Müller dann sicher. Knapp eine Stunde war gespielt, da parierte Müller klasse gegen den eingewechselten Tobias Dierberger im direkten Duell und bewahrte seine Mannschaft so vor dem frühen Anschlusstreffer.

Aufwand belohnt: Methner verkürzt für TSG auf 1:3

Dann probierte es Tim Kübel per Freistoß aus etwa 15 Metern, fand seinen Meister aber in TSG-Keeper Baumann (65.). Nur vier Minuten nach dessen Chance verkürtzten die Gäste aus der Unistadt verdient auf 1:3: Nach einem Eckball stimmte die Zuordnung in der Nagolder Abwehr nicht – Marvin Methner stand am langen Pfosten völlig blank und schob den Ball ins Tor. Von nun an war klar, dass die letzten zwanzig Minuten aus Nagolder Sicht nicht einfacher werden. Doch den Nagoldern gelang nach vorne nichts mehr und spätestens als Redzepagic seinen Co-Trainer Marco Quiskamp wegen der Gefahr eines Platzverweises vom Feld nahm, riss der Faden komplett. Die Gäste hingegen bekamen immer mehr Oberwasser: Nur drei Minuten nach dem TSG-Treffer köpfte Christoph Ormos eine Flanke von Tobias Dierberger gerade noch so übers eigene Tor. Eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff sorgten die Nagolder mal wieder für Entlastung: Kapitän Matthias Rebmann bediente von rechts Tim Kübel, dessen Schuss war jedoch kein Problem für Tübingens Schlussmann (75.).

Müller pariert gegen Haar, Kübels Heber geht drüber

Eine Minute später flankte erneut Dierberger von links, doch Nagolds Keeper Müller hielt aus kurzer Distanz gegen David Haar sicher fest. Fünf Minuten waren noch auf der Uhr, da probierte es Tim Kübel nach einem schnell ausgeführten Einwurf mit einem Heber, dieser landete zum Bedauern der Nagolder Fans auf dem Tornetz.

Nagold: 180 Sekunden zum Vergessen

 Dann brachen die letzten drei Minuten im Derby an – welche- die man beim VfL sicherlic schnell vergessen will! Erst erzielte Kay Rosmer in der 87. Minute das 2:3- nach einem Freistoß von Adil Igoutte kam Rosmer völlig frei zum Kopfball und stellte den Anschluss her! Die Gastgeber sehnten den Schlusspfiff herbei, doch es kam noch schlimmer: Nach einem Diagonalball von rechts verschätzten sich Luka Silic und Fabian Mücke, sodass Tobias Dierberger am langen Pfosten völlig frei an den Ball kam und diesen per Dropkick zum 3:3-Endstand im kurzen Eck versenkte! So endete das Derby mit einem Remis und sechs Toren- für den neutralen Zuschauer sicherlich schön anzusehen.

Nächster Halt: Echterdingen:

Fazit: Aus Nagolder Sicht ganz klar zwei verlorene Punkte gegen eine Mannschaft, mit der man sich auf Augenhöhe befindet. Unerklärlich ist, wie man auf heimischem Platz eine 3:0-Führung und in der zweiten Halbzeit das komplette Spiel aus der Hand geben kann! So etwas darf in der laufenden Runde nicht mehr oft passieren, sonst steht man am Ende noch da wo man nicht hin will – nämlich auf einem Abstiegsplatz. Am nächsten Sonntag geht der „direkte“ Kampf um den Abstieg weiter: Dann steht um 15 Uhr das Gastspiel bei Calcio Leinfelden-Echterdingen an.  

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